Die Gartenstadt Nürnberg eG wurde am 22. September 1908 als Baugenossenschaft in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichtes Nürnberg eingetragen. Ihre ersten Vorstandsmitglieder waren der Redakteur der Fränkischen Tagespost Paul Schlegel, der Kaufmann Wilhelm Eckstein und der Chemiker Dr. Otto Fritz. Gerade Paul Schlegel gab im Juli 1908 mit seinem Artikel in der „Fränkischen Tagespost” den Anstoß zur Gründung einer Baugenossenschaft. Am 1. September kamen zur ersten Versammlung über 900 Interessenten, um sich über die Ziele der Gartenstadtbewegung informieren zu lassen. 155 Personen entschlossen sich spontan, Mitglieder der Genossenschaft zu werden.

Die Idee, auf genossenschaftlicher Basis Gartenstädte zu bauen, stammte ursprünglich aus England. Hier hatte der Parlamentsstenograph Ebenezer Howard 1899 eine „Garden City Association” gegründet, die 1903 mit dem Bau einer Gartenstadt bei London begann. Die „Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft” war 1902 von einigen bedeutenden Volkswirtschaftlern, Journalisten, Architekten und Ingenieuren ins Leben gerufen worden, deren kulturelle und politische Einstellung u. a. durch Einflüsse der Lebensreformbewegung, des Jugendstils und des Sozialismus geprägt wurde. Die erste deutsche Gartenstadt entstand dann ab 1906 in Hellerau bei Dresden und weitere wichtige Gartenstädte wuchsen noch vor dem 1. Weltkrieg heran. Die damaligen Initiatoren haben frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und waren von Anfang an mit dabei.

Die in England gegründeten Gartenstädte waren als vollkommen selbständige Ortschaften geplant. Sie gruppierten sich um ein Verwaltungszentrum, besaßen Handwerker und Industriegebiete und verfügten sogar über eigene Ackerflächen, so dass sie im Stande sein sollten, sämtliche Lebensbedürfnisse ihrer Bewohner zu befriedigen. Dieser hohe Grad an Autonomie wurde in keiner deutschen Gartenstadt erreicht. Man konzentrierte sich auf das Näherliegende: nämlich darauf, dass man mit Hilfe von Baugenossenschaften Siedlungen auf Grundstücken errichten konnte, die dauernd im Eigentum der Gemeinschaft und deshalb jeder Ausbeutung durch Bodenspekulation entzogen waren. Auch in Nürnberg stand dieser Gedanke im Vordergrund. Es lag also nahe, dass die ersten Nürnberger Gartenstädter Sozialdemokraten waren. Wie in fast allen deutschen Industriestädten bestand auch bei uns in jenen Jahren eine außerordentliche Wohnungsnot, unter der die Arbeiterschaft besonders zu leiden hatte.

Die Einstellung der damals herrschenden Parteien war nicht gerade von Begeisterung für diese Idee geprägt. Im Gegenteil, die damalige „Freisinnige Partei”, deren Klientel Unternehmer und Hausbesitzer waren, gab die Parole aus, der Gartenstadt möglichst viele Prügel in den Weg zu werfen, um sie von der Erfüllung ihrer Ziele zu hindern und letztlich deren Ruin herbeizuführen. Etwas aufgeschlossener zeigte sich das königliche Staatsministerium des Inneren, wie auch die königliche Staatsforstverwaltung. Es konnte erreicht werden, dass der Genossenschaft ein rund 100 Hektar großer Bereich im Süden Nürnbergs in der Nähe des Ludwig-Donau-Main-Kanales reserviert wurde. Ein Teil dieser reservierten Flächen wurde der Genossenschaft während der „braunen Diktatur” entzogen.

Nachdem die Weichen gestellt waren, war der Erfolg der Gartenstadt nicht mehr aufzuhalten. Die ursprüngliche Planung, an der insbesondere der Architekt Richard Riemerschmidt beteiligt gewesen ist, der sich bereits bei der Gestaltung der Hellerau einen Nahmen gemacht hatte, konnte nun umgesetzt werden. Bereits 1911 war es möglich die ersten 76 Einfamilienhäuser fertigzustellen und unter den Genossenschaftsmitgliedern zu verlosen. Ab dem Jahre 1912 lag die Bauleitung überwiegend in der Hand des Nürnberger Architekten Hans Lehr. Neben den ersten Wohnungen wurde ein Verwaltungsgebäude mit errichtet, in das auch gewerbliche Betriebe einzogen. Es ging dann kontinuierlich in den folgenden Jahren weiter, so dass bis Anfang der 20-iger Jahre 212 Wohnungen & überwiegend in Einfamilienhäusern & hergestellt waren.

Ab 1922 ging man aber auch dazu über, Mehrfamilienhäuser zu errichten, um den gesteigerten Wohnungswünschen und der herrschenden Wohnungsnot Rechnung zu tragen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden die Genossenschaft und ihre Bewohner, die doch überwiegend sozialdemokratisch eingestellt waren, unter Druck gesetzt. Immerhin waren 1933 1.212 Wohnung errichtet. Im sogenannten „1000-jährigen Reich” von 1933 bis 1939 kamen nur noch 137 Wohnungen hinzu.

Ende des 2. Weltkrieges wurde die Genossenschaft durch Bombenangriffe sehr stark beschädigt, da sie in der Nähe einer der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands, wie auch neben kriegswichtigen Industriewerken, lag. So wurden über 70 % der Anwesen in der Gartenstadt zerstört oder beschädigt.

Der Wiederaufbau der Genossenschaft wurde von den damals Verantwortlichen zügig angegangen. Wegen der Wohnungsnot in Deutschland kam es auch zu massiver Neubautätigkeit, so dass letztlich das gesamte zur Verfügung stehende Gelände abschließend bebaut wurde.

In den 60-iger Jahren erwarb die Genossenschaft im Stadtteil Langwasser die Grundstücke der sogenannten „Nachbarschaft M” mit 13 Hektar. Dort wurden dann Eigentumsmaßnahmen in Form von Reihen- und Gartenhofhäusern, sowie Eigentumswohnungen, errichtet. Daneben wurde auch der genossenschaftliche Wohnungsbau vorangetrieben, so dass nunmehr in diesem Stadtteil 249 Genossenschaftswohnungen bestehen.

Heute verfügt die Genossenschaft über einen Wohnungsbestand von 2.466 Einheiten, davon 881 Einfamilienhäuser und 1.585 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Unser Wohnungsbestand lebt nach wie vor vom Gartenstadt-Gedanken. So bestehen für über 1.200 Wohneinheiten Hausgärten. Der restliche Bestand, mit wenigen Ausnahmen, verfügt über einen Balkon. Die ausgezeichnete Lage unserer Wohnungen am Stadtrand im Naherholungsbereich, mit großzügigen Grünflächen, vermittelt den Mitgliedern ein angenehmes Wohnen.